Kassel: Meine kleine grüne Großstadt

Warum ich gerne in Nordhessen lebe? Weil ich es klasse finde, in der City mit viel Kultur und gleichzeitig mitten im Grünen zu wohnen. Mit knapp 200.000 Einwohnern gehört Kassel eher zu den kleineren Großstädten Deutschlands. Ihre Dichte an Parks ist aber im Vergleich dazu ungewöhnlich hoch. Neun Prozent der Fläche Kassels besteht nämlich aus Grünanlagen. Unter ihnen Bergpark, Karlsaue, Goetheanlage und viele andere. Für Bewohner der Stadt wie mich heißt das, man lebt zentral und gleichzeitig naturnah. Ich fahre zum Beispiel gern mit dem Fahrrad zur Arbeit. Und ich finde es richtig klasse, dass ich dabei – statt auf Hauptstraßen unterwegs zu sein – bequem auf Radwegen entlang der Fulda und durch die Aue fahren kann. Und nicht nur das. Mit dem Naturpark Kellerwald Edersee, dem Kaufunger Wald oder dem Habichtswald liegen Freizeitgebiete direkt vor der Haustür. Wassersport-Fans kommen auf den nahegelegenen Flüssen Diemel, Fulda und Weser oder auf dem Edersee auf ihre Kosten.

Wer sich lieber beim Kulturprogramm erholt, wird in der Heimat der Brüder Grimm ebenfalls fündig. Die nordhessische Kunststadt ist nämlich nicht nur alle fünf Jahre Gastgeber der Documenta, sondern hat die drittgrößte Museendichte in ganz Deutschland. Oder waren Sie schon mal im Tapetenmuseum, der Caricatura oder im Museum für Sepulkralkultur? Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall und ich möchte das große Angebot nicht missen. Mindestens genauso sehenswert sind die Rokokoschlösser und Burgen im Landkreis. Oder das Staatstheater. Ich finde, in Nordhessen ist einfach für jeden Geschmack das passende dabei. Also dann: anschauen, überzeugen, bleiben :-)

Heimgekehrt

Heimgekehrt – gutes Stichwort. Der wiederkehrende Kasseler bzw. Nordhesse schätzt kurz und innig das Metropolen-Leben, kommt einmal im Jahr zum obligatorischen Familientreffen und/oder Klassentreffen am FEZ („das Tor zur Kasseler Kneipenmeile“) vorbei und lässt sich dann ein paar Jahre später wieder in unserer Region nieder. Warum? Weil es hier schön ist.

Denn das nordhessische Bergland hat die Anmut der Münchner Berge.  OK – unsere Fulda kann nicht so ganz mit dem Düsseldorfer Rhein mithalten – dafür ist der Edersee für sportliche Aktivitäten, zum Campen oder für über die Bäume kraxeln absolut lohnenswert. Apropos: Bäume. Für alle Naturliebhaber sorgt Nordhessen mit einer der größten Walddichte Europas im Sommer für Schatten und im Winter für einen schönen Weihnachtsbaum :-)

Neben der zeitgenössischen Kunstausstellung („Documenta“) hat sich Kassel zu einem bedeutenden Museumsstandort in Deutschland etabliert.  Die größte Rembrandt-Ausstellung Deutschlands lässt sich wunderbar mit einem Museums-Brunch am Sonntag verbinden. Doch wir setzen noch eins, zwei, drei oben drauf. Denn unsere vielfältige Kunst- und Museumslandschaft wird getoppt durch enorme Grünflächen (drei Parks / drei Schlösser) und nicht zu vergessen: dem größten Bergpark Europas.

Liest sich stark nach Reiseführer – ja, für alle mit One-Way-Ticket.

Und warum bin und bleibe ich in Nordhessen? Weil es immer noch schöner wird. Die Stadt, das Land, die Leute entwickeln eine zunehmende Dynamik und ich entdecke immer wieder tolle Highlights, die das Leben hier noch attraktiver machen. Probiert es selber aus!

 

Kleine Verneigung vor der Region

Nordhessen ist für mich Zuhause. Hier fühle ich mich angekommen, obwohl ich nie wirklich weggewesen bin. Nach dem Abi fand ich das irgendwie ziemlich uncool zu sagen, dass ich bleibe und nicht wie viele meiner Freunde nach Berlin, Hamburg oder München gehe. Raus aus dem vermeintlich verstaubten Nordhessen. Rein in die Großstadt – für die meisten stand das fest. Für mich nicht. Ich lebe gerne hier. Und das Gefühl, dass das irgendwie langweilig sein könnte, habe ich längst abgelegt. Nordhessen liegt mitten in Deutschland: wenn ich Großstadtfeeling haben möchte, bin ich in kürzester Zeit woanders. Kurze Wege, lange (und manchmal auch weniger lange) Nächte. Mit einer feinen Auswahl an Clubs, Bars und Restaurants in denen ich mich wohlfühle. Und weil ich an einem Abend sowieso nicht an 50 Orten gleichzeitig sein kann, hatte ich dabei noch nie wirklich das Gefühl etwas zu verpassen. In einer Stadt, die alle fünf Jahre die weltgrößte Kunstausstellung ausrichtet und die dann für ein paar Monate internationales Flair schnuppern kann. In einer Region, die so unglaublich schöne Natur zu bieten hat, dass man der Kasseler Innenstadt so manche Bausünde verzeiht. Eine Region mit Ecken und Kanten aber mindestens genauso vielen Schokoladenseiten. Neulich habe ich eine alte Freundin getroffen. „Zu Besuch in der alten Heimat?“ „Nein, es hat mich irgendwie doch wieder hierher gezogen“. Irgendwie. Uncool? Nö, ganz im Gegenteil. Na dann: Herzlich willkommen zu Hause!